Freitag, 16. April 2010

Zapp berichtet über WikiLeaks

WikiLeaks, eine weltweit vernetzt agierende Gruppe, die sich für die Freiheit der Information engagiert, ist nun seit Anfang April, durch die Aktion "Pentagonvideo von getöteten Zivilisten und Journalisten durch WikiLeaks veröffentlicht" in die Schlagzeilen geraten. Bereits seit der Ankündigung zur Veröffentlichung des Pentagonvideos, schilderten Beteiligte von WikiLeaks bereits über Probleme, die ihnen entgegneten.



Verrat auf Nummer sicher. Das ist Wikileaks. Eine Internetplattform, die immer wieder spektakuläre Dokumente veröffentlicht. Das Problem: Die Internet Aktivisten offenbaren zwar Geheimnisse, bleiben aber selbst eins. Über die Geheimniskrämer im World Wide Web und ihre Bedeutung für den Journalismus.
Autorin/Autor: Daniel Bröckerhoff

Das Irak-Video brachte die Internetplattform in alle Medien. Immer mehr Informanten vertrauen Wikileaks. Aber wieviel Vertrauen schenken Journalisten den Weltverbesserern aus dem Netz?
Warum Wikileaks vielen Medien nicht geheuer ist

 Das sind nur tote Bastarde

Zusammenschnitt der Reportagen von:
1. n-tv Nachrichten
2. ARTE Journal
3. ARD Tagesschau
 


Weitere Informationen:

Irak: Video zeigt US-Helikopter beim Töten von Zivilisten
Grausames Dokument des Krieges: Ein neu aufgetauchtes Bordvideo eines US-Hubschraubers zeigt, wie 2007 in Bagdad Zivilisten niedergemetzelt werden. Doch damit nicht genug: Während des Angriffs verhöhnt die Crew die Opfer als "tote Bastarde". [...]


Geheimes Video entschlüsselt

Die Männer sind heute tot. Die oben geschilderte Szene stammt aus einem Video, das auch zeigt, wie zwölf von ihnen aus dem Hubschrauber heraus erschossen werden - darunter der 22 Jahre alte Namir Noor-Eldeen, Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters, und sein 40-jähriger Fahrer Saeed Chmagh. Die auf Enthüllungen vertraulicher Regierungs- und Unternehmensdokumente spezialisierte Website WikiLeaks erklärte am Montag, sie habe die Aufnahmen vom 12. Juli 2007 in verschlüsselter Form von einer Armee-Quelle erhalten. Ihr sei es gelungen, den Code zu knacken. US-Militärkreise bestätigten die Echtheit der Aufnahmen und der begleitenden Tonspur.

Der Film bietet einen verstörenden Einblick in die Situation im Irak im Jahr 2007 und auf die moderne Kriegsführung in einem dicht besiedelten Gebiet. Der Zuschauer nimmt dabei die Perspektive eines US-Soldaten ein, der den Angriff vom Hubschrauber aus aufnimmt. Während die Männer noch ruhig auf der Straße laufen, diskutieren die Soldaten im Hubschrauber, ob diese gefährlich sein könnten. US-Einheiten am Boden waren unter Beschuss geraten und hatten die Helikopter zu Hilfe gerufen.




Soldaten gehen routiniert ans Töten




[...]

Der weitere Verlauf der Aktion ist deshalb so erschreckend, weil Laien sehen, wie routiniert die US-Soldaten sich an die Tötung der vermeintlichen Aufständischen machen. Der Hubschrauber bringt sich in Schussposition, die Männer am Boden stehen dicht zusammen. Als die Maschinengewehre der Hubschrauber rattern, gehen die meisten sofort zu Boden, eine Staubwolke verdeckt für kurze Zeit die Sicht. Die hochauflösende Kamera zeigt, wie einer der Männer davonrennt. Die Macher von wikileaks.org glauben, darin den fliehenden Fotografen zu erkennen. Gegen die überlegene Technik der Hubschrauber ist er machtlos, er wird getroffen. "Ah, ja, schau dir die toten Bastarde an", sagt einer der Soldaten.

Doch der Einsatz ist noch nicht zu Ende, die schlimmste Szene kommt noch. Chmagh, der Fahrer, liegt schwer verletzt am Boden, robbt zum Bürgersteig. Dann fährt ein Kleinbus vor, mehrere Männer wollen den Verletzten einladen. Alle Beteiligten sind offensichtlich unbewaffnet. Trotzdem schießen die Hubschrauber auf das Fahrzeug. Als sich der Staub gelegt hat, ist die Straße mit Leichen übersät. Zwischen zwölf und 15 Aufständische hätten sie erwischt, ruft der Späher in sein Mikrofon.


Soldaten bergen Zwei verletzte Kinder




Die nächsten Einstellungen zeigen eine veränderte Szenerie: Die US-Bodeneinheiten sind mit Schützenpanzern und Geländewagen vorgefahren, spätestens jetzt muss ihnen klar sein, dass sie die Falschen erwischt haben. Sie bergen zwei verletzte Kinder aus dem Kleinbus. Der Soldat am Boden will sie in ein US-Lazarett bringen, doch ein Vorgesetzter gibt die Anweisung, sie in ein irakisches Krankenhaus zu bringen.
 
Das Pentagon wollte die Echtheit des Videos so schnell nicht bestätigen. Der Fall werde untersucht, hieß es aus dem US-Hauptquartier im Irak. Ein Sprecher des Zentralkommandos in Florida bestätigte aber, dass es keinen Anhaltspunkt dafür gebe, dass das Video eine Fälschung sein könnte.

Fall sorgt für Aufsehen


Der Fall sorgt für Aufsehen und wirft ein anderes Licht auf die Berichte der US-Streitkräfte. Nach dem Vorfall am 12. Juli 2007 kam die Untersuchung des Falls zu einem klaren Ergebnis: Den Soldaten sei kein Vorwurf zu machen, weil die Aufständischen oft ihre Angriffe zu Trainings- und Propagandazwecken filmten. Die Reuters-Mitarbeiter hätten sich "unter die Aufständischen gemischt", heißt es darin. Dass die meisten Getöteten offensichtlich unbewaffnet waren und sich nicht gerade so bewegten, als wollten sie ins Gefecht ziehen, wird nicht erwähnt.

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