Dienstag, 20. April 2010

Selbst Offiziere der Bundeswehr sprechen sich für einen Abzug der Truppen aus

Folgender Artikel mit interessanten Aussagen von deutschen Bundeswehrsoldaten ist gestern auf hintergrund.de veröffentlicht worden.
  

Aus dem Artikel:
(1) Seit dem Kundus-Massaker vom 4. September 2009, bei dem nach Angaben der Opfer-Anwälte mindestens 137 Zivilpersonen getötet wurden, wird das immer mehr Menschen in Deutschland bewusst. Doch schon vier bis fünf Monate früher,  im April 2009 hatte die die Bundeswehr „einen faktischen Taktikwechsel“ (2) vorgenommen, der über das bisherige „Zurückschießen, Durchbrechen und Zurückziehen ins PRT“ (3) im Falle eines Angriffs durch Aufständische hinausging.

Immer häufiger begannen deutsche Soldaten selbst den Kampf, verfolgten und töteten den militärischen Gegner. (4) Ein Hauptmann des Fallschirmjägerbataillon 373 in Kundus sagte klipp und klar: „Wir haben gelernt zu töten und tun dies auch.“(5) Für einige Soldaten ist das so selbstverständlich geworden, dass sie vorgeben, „keine Probleme damit“ zu  haben. „Ich würde töten, wenn es mein Auftrag verlangt, gezielt, dosiert und ohne jedes emotionale Engagement.“
In meinen gestrigen Post "Die Afghanistan Lüge"  kritisierte ich die beschönigende Aussage des Wehrbeauftragten Reinhold Robbe, die da lautete:

Auch der scheidende Wehrbeauftragte der Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), wandte sich indirekt gegen den Vorstoß von SPD-Chef Sigmar Gabriel, das Mandat infrage zu stellen. Er sagte am Freitag im ARD-"Morgenmagazin", dass man jetzt umgangssprachlich von Krieg rede, ändere nichts an den Fakten. "Die Soldaten betrachten die Debatte hierzulande manchmal mit Kopfschütteln." Sie könnten nicht nachvollziehen, wenn vorschnell mit Forderungen nach einem Abzug hantiert werde.
Ich habe zum einen die Verallgemeinerung in dieser Aussage kritisiert, da es so erscheint, als wenn die deutschen Truppen geschlossen die Meinung vertreten, dass das Abmetzeln der Zivilbevölkerung, trotz offensichtlicher Fehlschläge zu Erreichung der strategischen Zielen, in Ordnung gehen, so lange es von oben Befohlen wird, gleichgültig der Verfassungskonformität. 

Aus dem Hintergrundartikel geht nun ein ganz anderes Bild hervor. Hier heißt es nun.

Dass es auch Stimmen in den deutschen Streitkräften gibt, die diese immer martialischer werdenden Einsätze der Bundeswehr für gänzlich verfehlt halten und weitere Opfer unter den deutschen Soldaten und der afghanischen Bevölkerung nicht hinzunehmen bereit sind, wird von den großen Medien und der für die Auslandseinsätze verantwortlichen Politik geflissentlich verschwiegen. 
Auch das habe ich versucht gestern aufzuzeigen, dass man immer etwas einschwenkt, aber am Ende heißt es dann mitgehangen mitgefangen, wir stehen im Bündnis, da gibt es gar keine Diskussion und lasst mich mit dem Völker- und Menschenrecht in Ruhe, schließlich sind wir die Guten...

Ich gehe sogar noch weiter und habe in meinen Fragen klar auf Fakten wie Uranmunition und imperialistische Interessen, sowie propagandistischer Mittel der Medien hingewiesen, sodass man die öffentliche Meinung nun seit fast 9 Jahren beeinflussen konnte.


Hier nun Kritik aus den eigenen Reihen, der selbst Offiziersränge erreicht, denen ich durchaus die Kompetenz zur Einschätzung der strategischen Lage und den Sinn der Umsetzung neuer Strategien seit dem April 2009 zutraue:

Dabei haben am Sonntag eine ganze Reihe von aktiven und ehemaligen  Offizieren  und Unteroffizieren vom Arbeitskreis Darmstädter Signal zum wiederholen Male die Afghanistan-Politik der Bundesregierung scharf kritisiert: „Die Veränderung der Einsatztaktik mit mehr Patrouillen, Aufstockung des Personals und Einführung schwerer Waffen führt zu einer weiteren Eskalation der militärischen Gewalt, zu weiteren Menschenrechtsverletzungen und zu einem erhöhten Risiko für unsere Soldaten. Die Ereignisse der letzten Tage unterstreichen: Der Einsatz von Streitkräften ist nicht die Lösung des Problems, sondern das Problem selbst. Die Bundeswehr trägt in Afghanistan nicht zur vernetzten Sicherheit, sondern zur vernetzten Unsicherheit bei. Die Inkaufnahme des Todes unserer Soldaten ist für die betroffenen Angehörigen und für uns unbegreiflich und sinnlos, zumal vorgebliche Ziele nicht erreicht werden.“
Abschließend noch dieses Zitat, dem habe ich nichts mehr anzufügen:
Im Anschluss an ihre  Berliner Arbeitstagung „Probleme der deutschen Sicherheitspolitik“ richteten die Soldaten an die Bundesregierung die Erwartung, sich sichtbar „für eine Bereitschaftserklärung zum Abzug aller NATO-Streitkräfte aus Afghanistan und die kurzfristige Erarbeitung eines gemeinsamen Rückzugsplans“ zu engagieren. „ Deutschland und seine Bündnispartner müssen dem Beispiel des Abzuges der Kanadier und der Niederländer folgen. Die Bundesrepublik darf sich nicht an grundgesetzwidrigen Säuberungs- und Tötungs- Aktionen (CLEAR and TARGETING) sowie ähnlichen Einsätzen beteiligen.“
Noch eines, unterstützen sie guten Journalismus, der nicht die Interessen eines gewaltigen militärischen-industriellen Komplexes vertritt und sogar verteidigt, in denen unsere Soldaten durch ein Bündnis hineingezogen wurden, sondern eben die Probleme aus der Sicht der Menschlichkeit betrachtet, sowohl den heimischen Afghanen, als auch unsere Soldaten die sich in sinnlose Gefahren begeben, da sich unsere Führung globalistischen und imperialistischen Interessen unterworfen hat und leider geflissentlich übersieht, was auf diesem Gebäude steht.





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