Sonntag, 21. Februar 2010

Friedensbewegung in Berlin

Unter dem Aufruf: Kein Soldat mehr! Dem Frieden eine Chance - Truppen raus aus Afghanistan! fanden sich am 20. Februar 2010, ab 13:00 auf dem Berliner Bebelplatz, zahlreiche Friedensorganisationen, Vereine, linksgerichtete Parteien zur Auftaktkundgebung des bundesweiten Protestes ein. Außerdem zahlreiche Bürger, die sich aus ethischen, moralischen, religiösen oder anderen individuellen Gründen dazu bewegt sahen, auf die Straße zu gehen, um ein Zeichen für den Frieden zu setzen.

Die Rede die mich am Meisten beeindruckte, war die von Eugen Drewermann. Selten habe ich so viel ausgesprochene Wahrhaftigkeit in Verbindung mit einfühlsamer Emotionalität verspürt. Es erinnerte mich an die Worte eines Mitstreiters der frühen Friedensbewegung, "Ich habe Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit, nach ein bisschen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit"...

Einige Passagen der Rede:

Neuerdings erklären uns Merkel und Herr Gutenberg, wir müssten die Taliban bekämpfen! Wer eigentlich sind sie, dass sie so gefährlich macht. Islamistische Fundamentalisten nennt man sie. Sie denken ganz genauso, wie die Lehrmeister in Saudi-Arabien, moabitische Koranauslegung. Das ist ihre Heimat, dagegen kann man sein oder auch dafür. Es ist ganz sicher kein Kriegsgrund! Man hatte im Jahre 2001 im Juni eine Versammlung in Bonn, hier in Deutschland mit den Taliban. Sie waren damals noch Bündnisgenossen der Vereinigten Staaten von Amerika und es ging um den wichtigen Verhandlungspunkt den Dick Cheney ins Gespräch brachte, zwei Pipelines zu legen vom kaspischen Meer zum persischen Golf. Das verweigerten die Taliban und damit waren sie dran. 9/11 war nichts weiter als ein Vorwand die Kriegspläne endlich aus dem Sack zu holen.

Zu Kämpfen aber für Erdgas und Erdöl, verdient nicht das Blut von Menschen. Weder der Deutschen, der Afghanen, der Amerikaner, der Briten oder wem auch immer. Handelsverträge schließt man in Frieden und im gegenseitigen Respekt wechselseitig voreinander.
[...] 
Wir Deutsche sind inzwischen genauso eine Bürgerkriegspartei und die Briten haben dort eine Vergangenheit, die so blutbeschmiert ist, dass man sie kaum abwaschen kann, von den Wänden der Geschichte. Die Alle sind die Letzten die Afghanen zu sagen haben, wie sie zu leben hätten.

Es genügt am heutigen Tage aber keineswegs das Thema Afghanistan zu formulieren, da es in einer langen Reihe einer sorgfältig geplanten Umerziehung des deutschen Bewusstseins, spätestens seit 1991 steht.
[...]
Der Protestant Niemöller erklärte: "Diese Bundesrepublik Deutschland ist ein Kind das man in Washington gezeugt und im Vatikan getauft hat"
[...]
Im Jahre 1989 mit dem Zusammenbruch des Soviet Imperiums und der beginnenden Auflösung des Warschauer Paktes, hat Michael Gorbatchow einen Vorschlag aufgegriffen [...] Abrüstung in ganz Europa [...]

Gorbartschow schlug dasselbe wieder vor, in der Hoffnung wir könnten die gigantischen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Möglichkeiten konvertieren, in zivile Ziele und eine europaweite Kooperation. Genau daraus sollte nichts werden unter Bush den Älteren und Kanzler Kohl. Man plante die Ostausdehnung der NATO. Seit dem haben wir den Zustand in dem wir uns jetzt befinden. Inzwischen werden Raketen postiert in Polen, Rumänien und Bulgarien. Aber Russland darf dagegen nichts sagen. Inzwischen agitiert die NATO in Georgien, destabilisiert sie die Ukraine. Hat sie einen Fahrplan für weitere Kriege? Somalia, den Jemen, wo eigentlich nicht?

In einem kürzlich erschienen Post von Jürgen Elsässer Versagt die Friedensbewegung?, mahnte er die Friedensbewegung beim Umgang mit der Iran-Kriegspropaganda, als er auf den Ostermarsch in Hessen aufmerksam machte.

"Eine Friedensbewegung, die wolkig im Allgemeinen bleibt, ist nichts wert. Man muss den Iran nicht mögen, man kann auch in einem Aufruf Kritik üben – aber an erster Stelle, das ist ja wohl das Minimum, muss das ungeheure Verbrechen thematisiert werden, das jetzt gegen Iran vorbereitet wird."

Eugen Drewermann bereicherte an diesem Tag die Friedensbewegung in dem er für dieses Tabu klare eine Lanze brach und auf das aufmerksam machte, auf was sich eine Friedensbewegung richten sollte.

Im Zielrohr liegt schon längst der Iran, mit einem Haufen von verdrehten Zitaten von Ahmadinedschad zur Ausrottung Israels, was er so nie gesagt hat. Raketenschilde gegen Raketen die überhaupt nicht da sind und ganz sicher nicht Israel angreifen, indem sie Polen oder Deutschland überfliegen. All dieser Irrsinn wird gemacht, in dem wir deutsche aufgefordert werden, schritt zu fassen, in wenigen Momenten 1991 EU-weit bezahlen wir nach Checkbuchpolitik, dass wir noch nicht dabei sind. Die Lüge die damals die Friedensbewegung schwächte, war Bush den Älteren bekannt, die Szenen von den Kindern, die man aus den Brutkästen holt und auf den Steinboden des Krankenhauses wirft, Aufnahmen haben dies gedreht in London mit der kuwaitischen Botschafterin, eine Propaganda die Bush der ältere 40 mal auf den Straßen wiederholt hat, um uns Kriegswillig zu machen gegen solche Barbaren.
[...]
Afghanistan hat niemanden bedroht. Aber dies jetzt, ist der fünfte Krieg den Europäer führen in Afghanistan, drei Mal die Briten, einmal die Soviets und neuerdings die USA, die NATO und wir Deutschen natürlich mit dabei. Wer greift da wen an? Was wir sehen ist das Neokolonialismus, Imperialismus, Militarismus lediglich Worte für ein und dieselbe Sache, einer internationalen Aggression rund um den Globus werden sollen, dagegen müssen wir sein, zur rechten Zeit und rechten Stunde, die ist heute.

 

An diesem Tag haben sich viele Menschen unterschiedlichster sozialer, politischer, religiöser oder anderer Ansichten auf einem Platz für eine Sache vereint. In diesem Moment war es egal, was jeder war, viel entscheidender ist der Moment den wir alle miteinander teilten und den auch ein jeder vernahm. Alle haben wir gemeinsam für eine Sache eingestanden - den Frieden.

Ein paar Leute unseres Bürgernetzwerkes, haben speziell das Thema "Depleted Uranium" ins Visier genommen und versucht, diesem traurigerweise stark vernachlässigten Thema mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu widmen. Außerdem haben wir mit Flyern ausgestattet versucht, ein paar Informationen zum Afghanistankrieg unters Volk zu bringen.

Nun das Thema was wir ansprachen, ist alles andere als schön anzusehen. Doch da diese Kriegsverbrechen vollkommen vernachlässigt werden, ja sogar in der Öffentlichen Meinung unterdrückt werden, sahen wir uns gezwungen, unsere Mitmenschen mit knallharten Fakten und Bildern zu konfrontieren.

Die Wahrheit zu nennen, ist Spiel
Die Wahrheit erkennen, ist viel
Die Wahrheit zu sagen, oft schwer
Die Wahrheit ertragen, noch mehr.








































Dank an Nature23 für Bereitstellung des Bildmaterials

Die Wahrheit ist ein starker Trank
und wer sie braut hat wenig Dank,
denn der Menge schwacher Magen
kann sie nur verdünnt vertragen.

Ich persönlich war sehr überrascht über die Resonanz und Erlebnisse auf der Kundgebung und der anschließenden Demonstration. In den Medien wird die Friedensbewegung meist sehr oberflächlich dargestellt. Das wären alles verkappte Linke, alte Kommunisten oder alteingesessene Rentner, Naivlinge, die die große Politik nicht verstehen können. Dies beweist auch mal wieder die Berichterstattung des rbb.

Für Propagandafallen und politische Steuerung ist die Friedensbewegung leicht anfällig, wie dem Nachlaufen von allem was nach Antimilitarisierung klingt oder das Auffordern von zivilen Waffenverboten und Ähnlichem, machen es umso leichter, die Bewegung unter Kontrolle zu halten und das gesellschaftliche Ansehen und Interesse durch politisch-ideologische Richtungen beschränkt zu halten.

Denn das Recht auf die Verteidigung eines jeden Bürgers, um im Notfall das Leben seiner Liebsten zu schützen, ist ein Grundrecht einer freiheitlichen Republik! Und alle bisherigen Unternehmungen staatlicherseits aus, dieses Recht einzuschränken und gleichzeitig mehr Waffengewalt unter Regierungskontrolle zu bringen, führte in der Geschichte bisher immer zu einer Unterdrückung des Volkes und steht somit konträr zum ursprünglichen Ideal der Friedensbewegung. Denn das Fundament jener ist ein freiheitlicher und demokratischer Rechtsstaat.

"Faschismus und Kommunismus sind zwei Seiten derselben Medaille: Totalitarismus."

„Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“ 
(berühmtes Zitat von Ignazio Silone - Schriftsteller und Sozialist)

Stellt euch doch mal die Frage, wie das schizophrene Wahlverhalten der Deutschen erklärbar ist? Eine klare Mehrheit des Volkes ist gegen deutsche Kriegsbeteiligungen. Dennoch kriegten bisher immer die Parteien die Mehrheit, die den Krieg unterstützen. Ich denke ohne dem Lösen aus dem Links-Rechts-Denkschema und dem politisieren von gesellschaftlichen Belangen, bleibt es unheimlich schwer sich aus diesem Dilemma zu befreien! Ein Mensch wird nie vollkommen Links oder Rechts sein und das ganze dient nur dazu Uneinigkeit im Volke zu erzielen, sodass die Mächtigen ihre integranten Pläne vollführen können. 

Eugen Drewermann kristallisierte in seiner Rede eines ganz klar heraus. Krieg ist unmenschlich, barbarisch und muss von einer freien Gesellschafft, auch frei von politischer Korrektness, kritisiert werden dürfen. Sonst ist die freie Meinungsäußerung nichts weiter als die bloße Fassade in einer meinungsgesteurten und propagandistisch beeinflussten Massengesellschaft, die zwar geäußert werden darf, aber nur eine verschwindend geringe Beachtung erfährt.


Doch meine persönlichen Erlebnisse offenbarten mir weitaus mehr. Sehr schnell sprach mich eine erfahrene Friedensaktivistin auf mein Schild an. Sie erstaunte mich mit ungeheurem Fachwissen und war sehr froh, dass wir uns diesem Thema annahmen. Alles in allem erlebte ich mitten in Berlin einen sonnigen und erlebnisreichen Tag  und es ergaben sich einige interessante Gespräche und offenherzige Begegnungen.



Die Wahrheit ist dadurch infrage gestellt, dass sie politisiert wird.

Ich kann nur jedem dem Rat geben, wenn ihr auf so eine Demo geht, dann geht nicht dorthin, weil ihr euch irgendeiner Gruppe oder Meinung zugehörig fühlt. Nehmt aus euren eigenen persönlichen Motiven und Bewegründen daran teil und versucht diese zum Ausdruck zu bringen.

Falsche Rebellion
Ich behaupte, die einzige wahre Erlösung von jeder Form der Unterdrückung oder Versklavung ist Selbstermächtigung, Wissen und Bewusstsein. Das ist wahre Rebellion. Schließt euch nicht den 87% Menschen an, die dem Führer folgen, Menschen die Glauben sie wären Rebellen, nur weil sie Autoritäten in Frage stellen, nur weil es der letzte Schrei ist. Marschiert nicht auf den Straßen, um auszudrücken, dass ihr die Erleuchteten seid, nur weil ihr ein Buch gelesen oder einen Film gesehen und einen flüchtigen Einblick in ungewöhnliches Wissen bekommen habt. Schreit keine Sprüche ins Megafon, die ihr von den Nachforschungen anderer geliehen habt und bezeichnet euch nicht als Querdenker, nur weil ihr zu einer Gruppe gehört, die unpopuläre Ansichten vertritt. Das sind alles Beispiele für die andere Seite falschen Gruppendenkens, die zur falschen Rebellion führt. Falsche Rebellion ist gefährlich, weil man den Eindruck bekommt, dass man frei ist und selbstständig denkt. Wahre Rebellion, wahre Revolution beginnt, wenn man aufhört zu Folgen und beginnt zu führen. Und jedem der sich euch anschließt, solltet ihr beibringen, selbst damit aufhören zu Folgen und selbst anfangen zu führen.





Festgehaltene Impression des Demotages:



Weitere Informationen:

NATO und Afghanistan
Konfliktlösungen für Afghanistan und Pakistan
Was macht die NATO eigentlich in Afghanistan?
Daniele Ganser: Die NATO und ihre Geheimarmeen

Werden die USA ihr ‘Waterloo’ in Afghanistan und Irak erleben?
Propaganda und Wahrheit – Die Botschaften des Osama bin Laden

Uranmunition
Uranmunition - Verbrechen an der Menschheit
Uranmunition - Interview mit Biochemiker Prof. Schott
DU-Geschosse - Waffen mit abgereichertem Uran
Eine Frage der Ächtung
Eine Frage der Ächtung Lichtkopie des Artikels
Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra

Bildmaterial

Besonderen Dank möchte ich an Christoph Hörstel und "Prof. Dr. Daud Miraki" ausrichten, welche sich unermütlich für die Aufdeckung von Kriegsverbrechen und Kriegspropaganda einsetzen. Ohne den Einsatz dieser Leute würde es dieses Bildmaterial und somit knallharte Fakten gegen die Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen der NATO nicht geben.

Danke für die spontane und freie Unterstützung des Grafikers John-Xaver Friedemann. Das Bild ist für unkommerzielle Nutzung freigegeben.
Plakat missgebildeter Säuglingverursacht durch die NATO

Vorsicht! Diese Bilder sind für schwache Gemüter ungeeignet. Bitte machen sie sich zuvor bewusst, das sie bei betätigen dieses Links die knallharte Realität des Krieges sehen! Es ist nicht schön anzusehen. Es ist sogar grausam und mir fällt es schwer die geeigneten Worte für das Verbrechen an ungeborenen Kindern zu finden. Doch wir dürfen nicht wegschaun, denn es sind Psychopathen, die die höchsten Machtpositionen inne haben, anders kann ich mir die Ursache solcher geistesgestörten Menschenrechtsverbrechen nicht erklären!
Bildmaterial von Uranopfern

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Wir waren Samstag auch dabei und können den Bericht nur bestätigen. Ja, wir Organisatoren und Teilnehmer müssen die vielen noch unendschlossenen, schlafenden Kriegsgegner aufrütteln sich einzureihen in die notwendige Antikriegsfront. Die Losungen "Schwerter zu Pflugscharen", "Keine Gewalt!" oder "Make Love Not War" sind aktueller, denn je!