Montag, 7. Dezember 2009

Afghanistan - Spielball der Weltmächte

Afghanistan wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder durch Kriege heimgesucht. Eine normale Entwicklung unter friedlichen Bedingungen scheint für die dortige Bevölkerung in weiter Ferne zu liegen. Warum?

Um das zu verstehen reicht es nicht aus, etwas halbkritisch über die aktuellen Geschehnisse und Entwicklungen der dortigen Ereignisse zu berichten. Man muss einen längeren Abschnitt der Geschichte, die Verteilung der Machtzentren des großen Weltschachspiels und somit eben die geopolitischen Interessen in Betracht ziehen.

Um überhaupt einen Einblick darin zu kriegen, wie im kompletten arabischen Raum Diktaturen zu Zwecken anderer Mächte ausgespielt wurden und welche Folgen dies mit sich brachte, da kann ich nur die folgende Reihe von Volkers  Pispers empfehlen. Unterhaltung, Kaberett und geopolitisch-historische Fakten in einer genialen Mixtur.





Doch ursprünglich ging es mir um folgendes Video aus der Frontal21 Redaktion:
 
"Der Einsatz in Afghanistan sollte Rechtsstaat und Menschenrechte durchsetzen. Gemeinsam mit dem afghanischen Präsidenten Karzai. Der konnte sich jetzt gerade so an der Macht halten - nach gefälschter Wahl. Westliche Außenminister gratulierten. Derweil blühen Drogenhandel und Korruption im Land der Warlords. So überfordert wie die Allierten am Hindukusch scheint auch die Merkel-Regierung: Die Wahrheit über tote Zivilisten beim Angriff auf zwei Tanklastzüge tröpfelt nach und nach aus geheimen Militär-Berichten. Ex-Verteidigungsminister Jung trat zurück."

Außerdem erfährt man das seid Sommer 2009 die taktische Direktive von Oberkommandeur Mc Crystal verlautbart, dass der Angriff auf eine Menschengruppe nur bei direkter Gefahr für die eigene Truppe vollführt werden solle.Luftangriffe auf bewohnte Gebiete werden somit genauer abgewägt und nur begrenzt durchgeführt, damit zivile Opfer vermieden werden. Dennoch kam es zum Zwischenfall in Kundus worüber ich in diesen Artikel, "Die Inszenierung der Medien", berichtete.

Doch wie steht es mit der Befriedung und den Aufbau Afghanistans, sind denn nicht dafür die deutschen Soldaten am Hindukusch?

Der ehemaliger Staabschef bei der Führungakademie der Bundeswehr zieht eine verheerende Bilanz.

Institut für strategische Zukunftsanalyse – Heinz Dieter Jopp:

"Unser Ansatz war eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt. Hier in einem Land das über Jahrhunderte eigentlich nur über Stammesfürsten regiert wurde, hier jetzt zu erwarten, dass dort eine Demokratie nach unserem westlichen Zuschnitt entstehen könnte."
FRONTAL21: "Man wollte Stabilität schaffen. Heute sind die westlichen Truppen in dauernde schwere Gefechte mit den Taliban verwickelt, an einen militärischen Sieg glaubt kaum noch jemand. Der Westen wollte den Drogenanbau bekämpfen, heute liefert Afghanistans rund 90% des weltweit gehandelten Opiums Der Westen wollte demokratische Strukturen schaffen und stützt die korrupte Regierung eines Wahlfälschers. "
Auch nach Meinung eines fachkundigen Rechtsanwalt ist ein funktionierendes Rechtssystem unter den gegebenen Bedingungen in Afghanistan nicht zu verwirklichen. Schmiergelder und Korruption stehen auf der Tagesordnung. Die Justiz ist abhängig von der Regierung. Das Land wird von Warlords und Drogenbaronen regiert, eine selbstständige Justiz ist nicht vorhanden.

Institut für strategische Zukunftsanalyse – Heinz Dieter Jopp:

"Warlords sind teilweise in der Regierung integriert, auch unter Präsident Karzai. Warlords unterhalten ihre Privatarmeen, welche sie über den Verkauf von Drogen finanzieren.

FRONTAL21: "Aus eigener Kraft werden die westlichen Truppen kaum in der Lage sein die Taliban auf Dauer  zu besiegen, geschweige denn funktionierender Staat aufzubauen"
Weiter heißt es

Alte und neue Kriegsherren mit ihren Milizen sollen Verbündete werden. Chrystal setzt darauf das die Milizen afghanische und internationalen Truppen dabei unterstützen Afghanistan und die Regierung zu stabilisieren, die zur Zeit von Karzai geführt wird.

Hierbei besteht das Risiko, dass diese Milizen die Bevölkerung ausbeuten anstatt sie zu schützen. Sie könnten außerdem die Seite wechseln oder Ausrüstung von internationalen Truppen an Taliban verkaufen. Eine demokratische Kontrolle dieser Milizen ist nahezu unmöglich.

Die Gefahr in der Stärkung der Milizen hätte zur möglichen Folge, dass Afghanistan in die finstere Vergangenheit zurückfällt, in der Warlords herschten und Stammesfürsten sich gegenseitig bekämpften, statt ein demokratisches Afghanistan aufzubauen

Damit sie wieder herrschen, dafür hat der Westen acht Jahre Krieg geführt, mit hohen Verlusten  und unzähligen Opfern unter den Afghanen. Das im 2. deutschen Fernsehen. Augenblicke die leider kaum hevorstechen unter der Dauerberieselung von geschickter Propaganda, Halbwahrheiten und Ablenkung vom Wesentlichen.

Hier ein weiteres Beispiel für so etwas aus dem deutsch-französischen Fernsehen arte:

Man erfährt eine Menge geostrategischesWissen Rund um das Gebiet Afghanistan. Es werden hier zwar Vokabeln wie Kampf gegen den Internationalen Terrorismus verwendet, doch jeder der die weiteren Informationen zu der Verteilung der Stützpünkte der USA im Nahen Osten und der weiteren Entwicklung der Lage Afghanistans objektiv betrachtet, zieht wohl seine eigenen Schlüsse.

Folgende Entwicklungen behindern den Friedensprozess in Afghanistan (Kommentar aus der arte-Sendung)

  • Eine zerstrittene Übergangsregierung

  • Eine taktische Stärkung der Warlords in den Provinzen, was die politische Zersplitterung des Landes fördert

  • Die Fortsetzung der Militäroperationen der USA

  • Und die auf jeden Fall unzureichenden finanziellen und militärischen Mittel für Sicherheit und Wiederaufbau


Dennoch werden hier Details begründet, die bei einer näheren Untersuchung Fragen aufwerfen.

Hierzu eine Einleitung zu Afghanistan mit Teilen aus dem politischen Kabarett "Volker Pispers - Die USA und der Terrorismus"

Afghanistan war damals von den Russen besetzt. Amerika hat Osama Bin Laden aufgerüstet. Al Qaida wurde durch die 100'000 Söldner sehr einflussreich, welche die Amerikaner oder genauer der CIA in den arabischen Ländern anwarben. Zehn Jahre kämpfte Osama Bin Laden mit seinen Mudjaheddin gegen die Russen, mit Unterstützung der Amerikaner. 15'000 tote russische Soldaten durch Terroranschläge Osama Bin Ladens.

Osama Bin Laden hatte die Russen nach 10 Jahren vertrieben. Das Land war deutlich vom Krieg gezeichnet, aber frei. So wurden die Afghanen ihrem Schicksal überlassen. Die 100'000 Söldner waren weiterhin im Land und suchten sich neue Auftragsgeber. Diese fanden sich in den ansäßigen Landesfürsten. Seitdem kämpfen die Söldner in verschiedenen Konstellationen immer wieder gegeneinander. Zwischendurch gingen die Taliban als Ordnungsmacht hervor und als sie ihren Brüdern und Schwestern in Tschetschenien auch noch von den Russen befreien wollten, da waren es dann echte Terroristen, da die Amerikaner mal wieder sie Seite gewechselt hatten und sich mit Puthin verbündeten.

Die Amerikaner benutzen die Muhadjeddin und dann als sie aus amerikanischer Sicht als nutzlos erschienen, ließ man sie fallen. Wen verwundert bei solch einem Verhalten das die Afghanen genug von ihren westlichen Besatzern haben?

Um nun zum tieferen Verständnis des ganzes Treiben in Afghanistan zu kommen, ist Christoph Hörstel ein Mann mit herausstechender Kompetenz.

Für die Dreharbeiten zu unserem neuen Film "Kriegsversprechen" führte NuoViso im April 2009 ein Interview mit einem der besten deutschen Kenner der Region Afghanistan und Pakistan, Christoph Hörstel, der für verschiedene deutsche Medien und Behörden seit Anfang der 80er Jahre und bis in die Gegenwart hinein immer wieder Afghanistan und Pakistan bereist hat. Seine journalistische Tätigkeit führte ihn auch in den Irak, Iran, Jordanien und Syrien. Aufgrund dieser Auslandserfahrungen war er ab 1985 beim ARD-Fernsehen als Sonderkorrespondent, später auch als Nachrichtenmoderator mit 2.500 live-Sendungen sowie als leitender Redakteur tätig. Bis heute zeichnet ihn aus, dass er sich für niemanden einspannen läßt, er berichtet und schreibt, was er wirklich erfahren hat. So blieb es nicht aus, dass er wegen andauernder Fehlberichterstattung die ARD verlies und in die Industrie wechselte, wo er jedoch die Korruption nicht lange aushielt. Er war als Coach für ausgewählte Führungskräfte der Bundeswehr und Gastdozent am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) in Hamburg tätig.

Im Interview für NuoViso berichtet er über die gegenwärtige Situation in Afghanistan und Pakistan. Seine wohlbedachten Worten sind dennoch deutlich und unmissverständlich: Den USA geht es weder um die Bekämpfung des internationalen Terrorismus, noch um einen Wiederaufbau Afghanistans, sondern vielmehr um den strategischen Ausbau ihrer Vormachtstellung in dieser Region. Inszenierte Terroranschläge, wie der am 11. September 2001, gehören dabei ebenso zu den völkerrechtswidrigen Methoden wie der Einsatz von Uran-Waffen, die ganze Landstriche entvölkern können.


Quelle NUOVISO


Oder auch dieser Vortrag vom gleichen Referenten ist sehr aufschlussreich.

Auf dem Schall&Rauch - Treffen am 4. Juli 2009 in Fulda, gab Afghanistan-Experte und langjähriger Auslandskorrespondent für die ARD Christoph Hörstel einen sehr interessanten Einblick in die aktuelle Lage am Hindukusch.

Unbestritten ist, dass die Kriege ohnehin nur der Energie-Rohstoffsicherung dienen. Da der Krieg aber mehr kostet, als es dort zu gewinnen gibt, fordert Hörstel eine Rückkehr zur Diplomatie.


Nach diesem kompakten Überblick, wird es wohl den Wenigsten wundern, dass das Mandat der ISAF Truppen auch von deutscher Seite für 12 weitere Monate durch unsere Bundeswehr beiläufig neben der ganzen Unruhe um Kundus durch den Bundestag gewunken wurde. Das hat nichts mit Demokratie zu tun! Unsere Politiker sind entweder zu doof um sich ein reales Weltbild zu schaffen oder zu korrupt, um sich daran zu erinnern, wessen Interessen sie gefälligst zu vertreten hätten.Laut Grundgesetz ist die Bundeswehr keine Angriffsarmee. Aber das mit dem Grundgesetz hat sich ja seit dem 1. Dezember nun auch erledigt, auch wenn Karlsruhe das erst später feststellen wird, in einem eventuell zukünftigen Schlagabtausch mit dem Europäischen Gerichtshof, aber ob sich hier die Gegener auf gleiche Augenhöhe bewegen, wird die Zukunft zeigen, ich wage es sehr zu bezweifeln, dazu sind die durchgebrachten Reformen zu tiefgreifend. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.




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